PROJECT 01

modularer Bluetooth-Speaker

Das Projekt beschäftigt sich mit der schlechten Reparierbarkeit vieler Elektronikprodukte. Ziel ist es einen modular aufgebauten Bluetooth -Speaker mit einer bewusst reparaturfreundlichen „Baum -mich-auseinander“ Optik zu gestalten. Einzelne Komponenten sollen leicht zugänglich, austauschbar und auch für Laien verständlich sein.

YEAR

04/2026 bis heute

DISCIPLIN

Circular Product Design

ROLE

Teardown
Design Research
Prototyping
Design for Repair

VOM REPARATURVERSUCH ZUM NACHHALTIGKEITSPROJEKT

Zwei kaputte Speaker, eine neue Idee

In meinem Umfeld fielen innerhalb kurzer Zeit zwei Bluetooth-Speaker aus. Ich wollte prüfen, ob eine Reparatur möglich ist, obwohl keine sichtbaren Verschraubungen vorhanden waren. Nach dem Öffnen zeigte sich jedoch schnell, dass eine Reparatur kaum möglich war. Viele elektronische Geräte sind kaum reparierbar, weshalb sie früh entsorgt werden. Dadurch entsteht unnötiger Elektroschrott und es werden Ressourcen verschwendet. Mit diesem Gedanken entstand aus meinem Reparaturversuch schließlich ein Nachhaltigkeitsprojekt.

GRUNDLEGENDE FUNKTIONEN EINE BLUETOOTH-SPEAKER

1. Stromversorgung

Damit der Speaker funktioniert, muss er mit aufladbaren Akkus betrieben werden.

2. Verbindung mit Bluetooth

Der Speaker verbindet sich einmalig per Bluetooth mit einem Sender, z. B. einem Smartphone und verbindet sich anschließend automatisch mit diesem.

3. Digitale Musik wird gesendet

Die Musik liegt auf dem Sender in digitaler Form vor. Die Daten werden komprimiert per Bluetooth als Funkdatenpakete an den Lautsprecher geschickt.

4. Empfang und Umwandlung

Im Speaker ist ein Chip integriert, der die Funkdaten empfängt und in ein Audiosignal, also elektrische Schwingungen, umwandelt.

5. Verstärkung

Der integrierte Verstärker verstärkt das Signal für den Lautsprecher.

6. Klang erzugung

Die Membran des Lautsprechers wandelt elektrische Signale durch Schwingungen in hörbaren Schall um.

BLICK INS INNERE

DESIGN-ENTSCHEIDUNGEN UND IHRE AUSWIRKUNGEN

Bilder wie bei Linkedin + Beschreibung

BEWERTUNGSMODELL FÜR NACHHALTIGES PRODUKTDESIGN

Skalierbarkeit als Bewertungsmaßstab

Die Bewertungsmatrix wurde auf der Annahme basierend entwickelt, dass Massenkonsum den größten Einfluss auf Umweltwirkungen hat. Entsprechend liegt die Gewichtung auf Skalierbarkeit und Lebensdauer. Dadurch werden experimentelle oder handwerkliche Ansätze, selbst wenn sie sehr nachhaltig sind, geringer bewertet, wenn sie nicht skalierbar sind. Bevorzugt werden Produkte mit strukturellen Lösungen wie Transparenz, Systemintegration und modularer Architektur.

1. Skalierbarkeit

Bewertet werden die industrielle Reproduzierbarkeit und die Integration in bestehende Lieferketten. Eine hohe Fertigungstiefe und standardisierte Prozesse führen zu besseren Bewertungen.

1 = Unikate/Manufaktur
3 = Kleine Serie
5 = Massenproduktion + stabile Supply Chain

Gewichtung: 25%

2. Materialsystem

Bewertet werden der Anteil, die Standardisierung und die reale Recyclingfähigkeit von recycelten Materialien innerhalb bestehender Infrastrukturen.

1 = intransparent/schwer recyclebar
3 = teilweise recyclebar
5 = standardisiert + industriell recyclingfähig

Gewichtung: 20%

3. Obsoleszenz

Erfasst die Fähigkeit eines Produkts, durch Reparatur, Austauschbarkeit und Upgrades langfristig genutzt zu werden.

1 = Wegwerfprodukt
3 = begrenzt repariebar
5 = modular + upgradefähig

Gewichtung: 20 %

4. Systemtransparenz

Bewertet die Verfügbarkeit technischer Informationen als Voraussetzung für Recycling, Reparatur und regulatorische Kontrolle.

1 = Marketingaussagen
3 = teilweise Offenlegung
5 = vollständige technische Transparenz

Gewichtung: 15%

5. Reparatur-Ökosystem

Es wird analysiert, inwiefern Nutzer:innen und Drittanbieter in der Lage sind, Reparaturen eigenständig durchzuführen.

1 = nur Hersteller
3 = eingeschränkt
5 = DIY + Ersatzteile + offene Informationen

Gewichtung: 10%

6. Reale Kreislauffähigkeit

Es wird bewertet, ob Rückführung und Wiederverwertung nicht nur theoretisch möglich sind, sondern auch praktisch umgesetzt werden.

1 = theoretisch
3 = teilweise realistisch
5 = tatsächlich implementiert

Gewichtung: 10%

BEWERTUNG REALER PRODUKTKONZEPTE

GOMI Speakers

Hersteller: GOMI
Positionierung: Designobjekt aus Abfall
Besonderheiten: Unikate aus recyceltem Kunststoff
Nachhaltigkeitsfokus: Upcycling, Materialstory
Produktionsansatz: eigene Manufaktur

  1. Skalierbarkeit 2/5
  2. Materialsystem 3/5
  3. Lebensdauer & Obsoleszenz 3/5
  4. Systemtransparenz 3/5
  5. Reparatur-Ökosystem 1/5
  6. Reale Kreislauffähigkeit 3/5

Ergebnis nach Gewichtung: 2,55/5

SHIFTsound SP

Hersteller: SHIFT
Positionierung: fair produzierter Speaker
Besonderheiten: modulare Bauweise, Fokus auf faire Lieferketten
Nachhaltigkeitsfokus: Reparierbarkeit, soziale Verantwortung
Produktionsansatz: Entwicklung in Deutschland, faire Fertigung in China

  1. Skalierbarkeit 4/5
  2. Materialsystem 3/5
  3. Lebensdauer & Obsoleszenz 5/5
  4. Systemtransparenz 4/5
  5. Reparatur-Ökosystem 5/5
  6. Reale Kreislauffähigkeit 5/5

Ergebnis nach Gewichtung: 4,2/5

Teufel MYND

Hersteller: Teufel
Positionierung: Open Source Speaker
Besonderheiten: Open -Source-Ansatz, austauschbare Komponenten
Nachhaltigkeitsfokus: Langlebigkeit, Reparierbarkeit, Transparenz
Produktionsansatz: Massenproduktion mit industriellen Standards

  1. Skalierbarkeit 4/5
  2. Materialsystem 3/5
  3. Lebensdauer & Obsoleszenz 4/5
  4. Systemtransparenz 4/5
  5. Reparatur-Ökosystem 4/5
  6. Reale Kreislauffähigkeit 3/5

Ergebnis nach Gewichtung: 3,7/5

VOM BEWERTUNGSSYSTEM ZUM PRODUKTKONZEPT

DESIGNZIELE UND PRODUKTANFORDERUNGEN

Konzeptziel: Modularität und Skalierbarkeit

Es soll ein serienfähiger Bluetooth-Speaker mit nutzerfreundlichen, austauschbaren Kernkomponenten bei wettbewerbsfähiger Funktionalität und Skalierbarkeit entwickelt werden.

Anforderungen an ein modulares Produktdesign

1. Funktionale Anforderungen:

  • Bluetooth-Verbindung (mindestens Version 5.0) mit stabiler Reichweite
  • Akkulaufzeit von mindestens 10 Stunden bei mittlerer Lautstärke
  • ausgewogene Klangqualität für den Alltagsgebrauch

2. Reparierbarkeit

  • Austausch von Akku-, Lautsprecher- und Elektronikmodul in ≤5 Minuten
  • Kein Spezialwerkzeug erforderlich (maximal ein Standard-Schraubendreher)
  • Fehlerresistente Konstruktion (kein falsches Einsetzen möglich)

3. Modularität und Konstruktion

  • Klare Trennung in funktionale Module (z. B. Energie, Audio, Steuerung)
  • Verwendung standardisierter Verbindungen (z. B. Stecksysteme)
  • Reduktion auf eine minimale Teileanzahl zur Vereinfachung von Produktion und Wartung.
  • Umsetzung nach dem Prinzip von „Design for Disassembly“

4. Design und Nutzerinteraktion

  • Sichtbare, verständliche Konstruktion („Bau -mich-auseinander“-Design)
  • Kennzeichnung von Komponenten direkt am Produkt
  • intuitive visuelle Führung für Zerlegung und Zusammenbau

5. Skalierbarkeit / Industrialisierung

  • Design für Serienproduktion ( >10.000 Einheiten/Jahr) ausgelegt
  • Minimierung der Montagezeit pro Gerät
  • Minimierung von Sonderteilen zur Kostensenkung

Bewusste Designabgrenzungen

  • Verzicht auf Wasserdichtigkeit zugunsten der Reparierbarkeit
  • Fokus auf Funktionalität und Nachhaltigkeit statt auf maximale
    Miniaturisierung
  • Priorisierung der Zugänglichkeit gegenüber einer „nahtlosen“ Premium-Optik

Erfolg im Sinne der Designziele

  • Die Nutzer können Komponenten mit minimaler Anleitung austauschen.
  • Das Produkt hat eine längere Lebensdauer als marktübliche Geräte.
  • Eine skalierbare Produktion lässt sich tatsächlich umsetzen.

DAS PRAGMATISCHE ALLTAGSNUTZERPROFIL

Kurzbeschreibung

Samuel (58), verheiratet, ein Kind, Lehrer, Jahreseinkommen von 54.000 Euro

Dieser Nutzer möchte ein funktionierendes und zuverlässiges Produkt, das sich ohne technischen Aufwand bedienen lässt. Ihm sind Alltagstauglichkeit, eine klare Bedienung und eine lange Lebensdauer wichtig.

Bedürfnisse & Erwartungen

  • Einfache Nutzung ohne technische Vorkenntnisse
  • Zuverlässige Bluetooth-Verbindung im Alltag
  • Lange Akkulaufzeit und stabile Funktion
  • Kein Interesse an technischer Tiefe, aber an Langlebigkeit

Verhalten

  • Nutzt den Speaker regelmäßig zu Hause und unterwegs
  • Reparatur nur, wenn sie sehr einfach möglich ist
  • Erwartet ein funktionierendes Produkt ohne Aufwand

Bezug zum Designkonzept

  • Profitiert von modularen Austauschlösungen im Fehlerfall.
  • Wichtig ist eine intuitive Reparierbarkeit mit wenig Anleitung.
  • Die Nachhaltigkeit ist positiv, aber kein Hauptkaufkriterium.

Produktwelt

DAS TECHNIK- UND NACHHALTIGKEITSAFFINE NUTZERPROFIL

Kurzbeschreibung

Nina (29), ledig, IT-Sicherheit, Jahreseinkommen von 66.000 Euro


Diese Nutzerin interessiert sich für den Aufbau von Produkten, Nachhaltigkeit und Reparierbarkeit. Sie möchte Geräte verstehen, modifizieren und möglichst lange nutzen.

Bedürfnisse & Erwartungen

  • transparenter Produktaufbau
  • Möglichkeit zur einfachen Reparatur und Erweiterung
  • Zugang zu Komponenten und Austauschmöglichkeiten
  • nachhaltige und langlebige Produktgestaltung

Verhalten

  • Öffnet und analysiert Produkte bewusst
  • Reparaturen werden für sich selbst oder den Freundeskreis durchgeführt
  • Bevorzugt modulare und verständliche Systeme

Bezug zum Designkonzept

  • Idealnutzer für den „Baum-mich-auseinander“-Ansatz
  • nutzt die modulare Struktur aktiv (Reparatur, Austausch, Verständnis),
  • Verstärkt den Bildungs- und Nachhaltigkeitsaspekt des Produkts.

Produktwelt

RETROAUDIO UND DESIGNREFERENZ

VOM MOODBOARD ZUM KONZEPT

PROTOTYP ZUR FORM- UND AUFBAUPRÜFUNG

ZWISCHEN KONZEPT UND UMSETZUNG

AUFBAU DES MODULAREN SYSTEMS

VOM DIGITALEN MODELL ZUM PHYSISCHEN SYSTEM

MODULARITÄT IN DER MONTAGE

PROTOTYP ZUR KONSTRUKTIONS- UND VOLUMENPRÜFUNG

ANALYSE UND OPTIMIERUNG DES PROTOTYPS

Prototyp als Grundlage der Weiterentwicklung

Der Prototyp wurde mittels 3D-Druck aus PLA gefertigt, künftig soll jedoch Recyclingmaterial eingesetzt werden. Beim Aufbau kommen M3-Einpress- bzw. Einschmelzhülsen und Kreuzschlitz-Linsenschrauben zum Einsatz. Das hohe Eigengewicht der Lautsprecherhülle ergibt sich aus einer Wandstärke von 6 mm, Schraubverbindungen und dem Drei-Kammer-Design. Hier besteht Optimierungspotenzial. Fertigungsbedingt treten geringe Maßabweichungen (Warping) auf, die reduzierbar sind. Insgesamt stellt der Prototyp eine belastbare Grundlage für die weitere Entwicklung dar.

Offene Fragen und nächste Schritte

Zunächst müssen technische Fragen geklärt werden. Unter anderem muss geklärt werden, welche spezifischen Komponenten benötigt werden, um einen reparierbaren Bluetooth-Speaker zu konstruieren.

1. Modularität, Konstruktion und funktionale Anforderungen

  • Welche Lautsprecher-Treiber passen zum Konzept?
  • Welchen Passivradiator muss ich verwenden?
  • Passt die Klangqualität der Komponenten?
  • Welche Bluetooth-Komponente passt am besten zum Konzept?
  • Welcher Verstärker wird benötigt?
  • Welcher Verstärker wird benötigt?
  • Welches Akkusystem passt am besten?
  • Werden standardisierte Verbindungen genutzt?
  • Kann ich die Module klar voneinander trennen?
  • Ist die Anzahl der Teile für die Vereinfachung von Produktion und Wartung so gering wie möglich?
  • Ist die gewählte Konstruktion passend?

2. Design, Nutzerinteraktion und Reparierbarkeit

  • Wurden die Prinzipien von Design for Disassembly angewendet?
  • Ist die Konstruktion sichtbar, verständlich und fehlerresistent gestaltet?
  • Sind die Komponenten direkt am Produkt gekennzeichnet?
  • Lassen sich Zerlegung und Zusammenbau intuitiv durchführen?
  • Kann der Austausch von Akku, Lautsprecher und Elektronikmodulen in unter fünf Minuten ausgeführt werden?
  • Welche Werkzeuge werden zum Austausch der Module benötigt?
  • Lässt sich ein Nutzerszenario mit den Personas aufbauen?

3. Skalierbarkeit/Industrialisierung

  • Lässt sich das Design für die Serienproduktion auslegen?
  • Wie viel Zeit benötige ich für die Montage des Geräts und lässt sich die Montagezeit weiter minimieren?
  • Sind die Sonderteile so zur Kostensenkung minimiert?

Aktuell wird ein Konzept für Komponenten und Konstruktionen entwickelt. Hierzu findet ein Austausch mit Akteuren aus der Hi-Fi-Branche und mit Zulieferern statt. Das Ziel besteht darin, ein vollständiges Teile- und Konstruktionskonzept zu erarbeiten, um anschließend in die Konstruktion und den Aufbau eines funktionsfähigen Prototyps überzugehen.